FRÄNKISCHER THEATERSOMMER

Landesbühne Oberfranken

Geschichte

1994 gründen Wolfgang Pietschmann, Bildhauer in Hollfeld, und Jan
Burdinski, Schauspieler und Regisseur aus Bamberg, ein 'wanderndes
Freilichttheater', das mit einem kleinen Schauspielensemble nach Art
mittelalterlicher Vagantenbühnen die Region der Fränkischen Schweiz
bereist. Von Ort zu Ort ziehend spielen die Gaukler in Burghöfen, auf
städtischen Marktplätzen, in Höhlen und vor den Felsenkulissen der
Fränkischen Schweiz eine bearbeitete Fassung von Karl Valentins 'Ritter
Unkenstein' und ernten damit viel Applaus. Liebhaber des Minnesangs
erfreuen sich an einem Programm über Walther von der Vogelweide ('Nemt,
Frowe, disen Kranz') und das Kinderpublikum hat großen Spaß beim
'Schätzchen der Piratin' von Heiner Kondschak.

Die Gemeinde Hollfeld stellt als Probenraum die sakral nicht mehr
genutzte Kirche St. Gangolf zur Verfügung. In seiner schlichten
Schönheit weckt dieser Raum die Spiellust der Theatermacher.

In der Spielsaison 1995 steigert sich der Zuschauerzuspruch, als die
Schauspieltruppe den 'Arzt wider Willen' von Molière aufführt. Jan
Burdinski als künstlerischer Leiter des Theatersommers erarbeitet mit
der Truppe eine Konzeption für die folgenden Jahre, in denen man sich
insbesondere der europäischen Komödie widmen will. Daneben sollen
Kleinkunst, Kabarett, Comedy, vor allem aber Musikalisch-Literarisches
eine weit gespannte Programmpalette bilden.

Noch im Winterhalbjahr 1995/96 wird der gemeinnützige Verein
'Theatersommer Fränkische Schweiz e.V.' gegründet, der die Aufgabe hat,
die Aktivitäten der Schauspieler und Musiker zu fördern. Außerdem erhält
das in Deutschland wohl einmalige Konzept einer wandernden
Freilichtbühne damit eine bessere finanzielle Grundlage. Fünf
verschiedene Landkreise, außerdem viele ehrenamtliche Liebhaber dieser
Bühne, darunter der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, der 1.
Vorsitzender dieses Trägervereins wird, machen sich für den
Theatersommer stark. Baronin Cornelia von Aufseß fungiert in den
Folgejahren als 2. Vorsitzende.

Mit Begeisterung und Idealismus der SchauspielerInnen wird die relativ
dünne finanzielle Decke in den Folgejahren kompensiert: Auf technisches
Personal wird ganz verzichtet, das Ensemble verrichtet die
entsprechenden Tätigkeiten selbst. Musik, soweit nötig, wird von
talentierten Spielern komponiert, die Stücke vom jeweiligen Regisseur
frei bearbeitet, an der Erstellung musikalisch-literarischer Programme
ist das gesamte Ensemble beteiligt: Sie schießen wie Pilze aus dem Boden
und sorgen für eine permanente kreative Atmosphäre im Kreis der Spieler.

1998 wird die Inszenierung der polnischen Komödie 'Mann und Frau' von
Aleksander Graf Fredro zu einem Gastspiel nach Warschau eingeladen und
findet dort ein großes Echo.
Allmählich wird der Theatersommer zu einer Institution in Oberfranken
und findet nicht nur Förderer in der heimischen Wirtschaft, sondern auch
bei der Oberfrankenstiftung und dem Bezirk Oberfranken. Ohne eine solche
Unterstützung könnte dieses Kulturunternehmen schwerlich existieren,
denn die weiten 'Wanderwege' unseres Tourneebetriebes und die hohen
organisatorischen und logistischen Anforderungen benötigen ein
funktionierendes Büro und ein modernes Kulturmanagement.

Die Gemeinde Hollfeld, die sich inzwischen als Kulturstadt einen Namen
gemacht hat, stellt schon 1996 einen entsprechenden Büroraum zur
Verfügung. Und der ehrenamtliche Vorstand engagiert sich
außerordentlich, um den anfallenden Aufgaben gerecht zu werden. Ein
besonderer Ausdruck dieser kommunalen und regionalen Förderung ist die
Renovierung der St. Gangolf-Kirche, die in den Jahren 1999-2001 zu einem
Kultur- und Theaterzentrum umgebaut wird.

Erst seit dieser Zeit ist eine ganzjährige Theaterarbeit möglich, da nun
schon in den Wintermonaten geprobt werden kann. Die Schaffenslust bzw.
Produktivität des Ensembles steigt entsprechend, so dass der
Theatersommer mit dreißig verschiedenen Produktionen
aufwartet. Von März bis Oktober finden in mehr als 70 Spielorten über
170 Aufführungen statt. Was den Theatersommer besonders auszeichnet, ist
der Zusammenklang einer wunderbaren Kulturlandschaft mit der Spielfreude
eines jungen Theaterensembles und der oberfränkischen Aufgeschlossenheit
kulturellen Aktivitäten gegenüber.
Den Gaukler, den wir im Wappen führen, ist eine Commedia dell’ arte-Figur namens Coviello und strotzt wie unser Ensemble voller Tatendrang. Musik, Tanz, Pantomime und Schauspiel spiegeln sich in diesem Logo und die heitere Leichtigkeit seines Körperausdrucks soll uns durch alle Freuden und Strapazen auch der nächsten Jahre begleiten.



Die Mitgliederzahl des Vereins ist mittlerweile auf stolze 300 gestiegen. Das soll keine Obergrenze sein – wir freuen uns über jedes neue Mitglied, das damit auch einen wertvollen Beitrag zur Kulturarbeit leistet.



Viele Zuschauer haben an uns 'einen Narren gefressen' - einen Coviello? Wir wünschen, dass sie das auch weiterhin tun.